Lars Friedrich, Vorsitzender vom Hattinger Heimatverein, ist seit langer Zeit in Sachen Hansestadt unterwegs. Ein hansischer Stadtrundgang ist ebenfalls buchbar. Anfragen unter 0175/4194195 oder info@buegeleisenhaus.de. Buchung bis 14 Tage vor Termin, Verfügbarkeit vorausgesetzt.
Foto: ruhrkanal.news

Wer waren die Hattinger Fernkaufleute im Mittelalter? Welche Waren führten sie zu Lande, zu Wasser, durch Sümpfe und Wälder den großen Hansestädten an der Küste zu? Und welche globalisierten Handelswege nutzen Industrie und Gewerbe unserer Zeit? Vom 25. April bis 6. Dezember 2020 zeigt der Heimatverein Hattingen/Ruhr e.V. die Ausstellung „Hattingen handelt: Kaufleute von der Ruhr in den Hansestädten der Welt“ im Museum im Bügeleisenhaus am Haldenplatz Nr. 1. Dargestellt werden die Biographien in Hattingen geborener Kaufleute des bürgerlich-mittelalterlichen Handelsstandes.
Und das waren nicht wenige, die in die Welt hinauszogen. Einige von ihnen wird man in der Ausstellung erleben:
Eberhard Störtelberg – der Kaufmann handelt im Ostseeraum flandrisches Tuch und wird 1545 Bürgermeister der Hansestadt Lübeck
Arend Langrötger – der 1629 in Hattingen geborene Großkaufmann wird 1676 Stadtbaumeister in Oldenburg; seine Nachkommen begründeten die Oldenburger Pastorenfamilie Langreuter
Heinrich Cramer von Clausbruch – der Handelsherr ist bei seinem Tod 1599 in Leipzig reichste Kaufmann Kursachsens
Dietrich Cramer von Clausbruch – er begründet ein Handelshaus in der Hansestadt Köln, das in den Folgegenerationen auch in den norddeutschen Raum expandiert
Cortd thum Kyll – er kauft 1569 in Antwerpen 60.000 Zentner Blei von Herzog Julius von Braunschweig und erhält von Kaiser Maximilian II. ein Wappen
Zu Ruhm und Ehre kam der Hattinger Kaufmann Heinrich Kielmann (1586-1659). 1606 erlangt er in Wien das Privileg des Hofhandelsmannes, wird kaiserlicher Rat und 1652 als „von Kielmannseck“ in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Viele Jahre wurden die Hattinger Bürgermeister fast ausschließlich durch die Familie Kielmann gestellt. Sie gehörte zur Oberschicht der Stadt. Das wir heute noch etwas über Kielmann und seine Familie wissen, ist im wesentlichen Erich, Graf von Kielmannsegg, zu verdanken. Dieser gab 1910 eine Familien-Chronik heraus, die sich im Stadtarchiv in Hattingen befindet. Im Stadtbild selbst erinnert höchstens noch die Keilstraße (auf dem Keile, Kiel) an diese einst bedeutende Familie.
Heinrich Kielmann, geboren 1586, war der Sohn des Kaufmanns und Bürgermeisters Arnold Kielman und seiner Frau Anna von Elverfeldt in Hattingen. Aufgewachsen ist er vermutlich in der Keilstraße. Er ging jung nach Wien, studierte dort und verbrachte seie Zeit am Hof von Kaiser Ferdinand II. Er erhielt das Diplom einer Hofbedienung. Er legte in Wien die berühmten „Kielmannschen Gärten“ an, die 1683 bei der zweiten türkischen Belagerung vollständig zerstört wurden. Es gibt heute kein Abbild mehr dieser Gärten, nur noch einen Stich von 1677. Kielmann erwarb 1630 Gut und Schloß Kielmansegg. 1631 wurde er Mitglied des Nieder-Österreichischen Ritterstandes. Am 12. Juli 1652 wurde Heinrich Kielmann in den Freiherrenstand des Heiligen Römischen Reiches erhoben. Auch ein Wappen bekam der berühmte Hattinger. Er starb am 25. Januar 1659 in Wien und ist dort in St. Petri auch begraben.
Auch Hermann Pfankuch und Hans Schepping, Hans N. Nerhoff – er erwirbt als Kaufmann 1571 in der Prager Altstadt das Bürgerrecht und gründet dort die „Handelsgesellschaft der Gebrüder Nehrhoff“- oder Werner Wesel, Wilhelm Wechtenbruck und Heinrich Bock sind erfolgreiche Hattinger Kaufleute.
Die Idee der Hanse, Kräfte zu bündeln, um Interessen durchzusetzen, setzten sie mit Gewinn um. Den Weg frei machen, gemeinsame Stärke zeigen – bis heute eine grundlegende Idee für Handel und Wirtschaft und Grundlage von nationalen und internationalen Institutionen und Vereinigungen.